Noch im 19. Jahrhundert war es nicht möglich, unter die Haut eines lebenden Menschen zu schauen. Dies war auf dem Gebiet der Lungenerkrankungen ein großes Problem, denn diese waren auch bei jungen Menschen die häufigste Todesursache.
Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen wurde es möglich, ohne großen Aufwand gerade die (weitgehend luftgefüllte) Lunge gut darzustellen. Es half bei der Erkennung sowie dem Verständnis von Lungenerkrankungen und ebnete den Weg für Therapieverfahren, als auch letztendlich die medikamentöse Heilungsmöglichkeit für die Tuberkulose und andere Lungenerkrankungen, die früher unweigerlich zum Tod geführt hatten.

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Dann kam es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu einer zunehmenden Ablehnung der bis dahin mehr oder weniger regelmäßigen Röntgenreihenuntersuchungen, die ältere Menschen noch als völlig normale – und häufig beruhigende – Routineuntersuchung kennen.
Dafür gab es im Wesentlichen zwei Gründe: 

Zum einen wurde die Lungentuberkulose immer seltener. Sie ist allerdings auch in Mitteleuropa bis heute nicht ausgerottet, in vielen Teilen der Welt mittlerweile im Zusammenhang mit HIV-Infektionen ein zunehmendes und kaum zu bewältigendes Problem.
Zum anderen bildete sich die Meinung heraus, Röntgenstrahlen seien, ebenso wie die ihnen ähnliche radioaktive Strahlung, erbgut- und stark gesundheitsschädigend.

Besonders traumatisierend wirkten für viele Menschen die Atomkatastrophen von Hiroshima und Nagasaki und ihr Folgen. Hieran wurden auch über viele Jahre die Studien betrieben, die über die Gefahren radioaktiver Strahlung aufklären sollten. 
Ein unbestrittener Schwachpunkt dieser Untersuchungen ist, dass sie naturgemäß alle unkontrolliert waren, und im Nachhinein auf sehr ungenauen Rekonstruktionen beruhten. Deshalb ist die Frage nach der möglicherweise schädlichen Mindestdosis auch nach wie vor ungeklärt.
Unzweifelhaft ist in jedem Fall, das energiereiche Strahlung in jeder Form lebenden Zellen einen zumindest zeitlich begrenzten Schaden zufügen kann.
Die Körperzellen sind allerdings in der Lage diese Schäden zu reparieren und dies komplett. Das wird uns deutlich, wenn wir unser größtes Organ – die Haut – mal wieder zu lange natürlicher oder künstlicher UV-Strahlung (Strand oder Solarium) ausgesetzt haben und der Sonnenbrand nach einer Woche abgeheilt ist.
Insofern ist auch ein Summationseffekt in einer bestimmten Zeit nicht festzulegen: „Ich bin dieses Jahr schon geröntgt worden, wird das nicht zu viel?“ diese häufige Frage würde im eben erwähnten Beispiel bedeuten: „Ich war dieses Jahr schon im Sommerurlaub und hatte sogar einen Sonnenbrand, da ist ein Winterurlaub nicht drin - eindeutig zuviel Sonne!“
Die wichtige Frage ist: was nützt es mir?
Habe ich eine akute oder chronische Erkrankung der Atemwege oder der Lunge, ist ein Röntgenbild – auch wiederholt – oft von größerem Nutzen als von Schaden.

 Zurück zum Strahlenrisiko: die Strahlenbelastung einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs ist in der Tat vergleichbar mit einem Flug in Verkehrsflughöhe über ca. 3-4 Stunden. Da es keinen Summationseffekt gibt, wird auch nicht empfohlen das Fliegen zu begrenzen, die Erklärung ist einfach: es gibt keine Erkenntnisse darüber, dass z. B. Flugpersonal eine erhöhte Rate an Krebserkrankungen hat. Wir alle orientieren unsere Urlaubsflüge nicht am eventuellen Strahlenrisiko in großer Höhe, sondern an der Kapazität unseres Geldbeutels.

Etwas anders sieht es bei Schichtbildverfahren aus: Das häufigste ist die sog. Computertomographie. Hierbei werden Organe oder Körperabschnitte in Schichten mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, die hierbei registrierten Daten werden mit Hilfe von Computern zu Schnittbildern zusammengesetzt, die eine sehr gute Auflösung und eine überlagerungsfreie Darstellung der betreffenden Regionen ermöglichen. Dies wird aber mit einer größeren Strahlendosis erkauft – sie ist pro Schicht höher als bei einer konventionellen Röntgenaufnahme und es werden z.B. für die Lunge 50- 70 Schichten gemacht.
Moderne Computertomographen haben zugegebenermaßen schon deutlich geringere Strahlenabgaben, insbesondere wenn sie im so genannten Spiralverfahren arbeiten, aber trotzdem ist eine Computertomographie nicht die Untersuchung der ersten Wahl bei der Frage einer Lungenerkrankung. Ein einfaches, konventionelles Röntgenbild gibt dem erfahrenen Betrachter ausreichend Informationen darüber, ob überhaupt ein krankhafter Befund vorliegt. Der Lungenarzt kann dies aufgrund seiner Erfahrung und er sollte dann die Entscheidung fällen, ob ein Computertomogram erforderlich ist – in der überwiegenden Zahl der Fälle ist dies nicht der Fall.

Die seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sog. Kernspin – Resonanz-Tomographie oder MRT (magnet resonance tomographie) arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit starken Magnetfeldern, die Veränderungen auf atomarer Ebene auslösen, welche registriert werden und mit aufwendigen Rechenprogrammen auf leistungsfähigen Rechnern zu Bildern zusammengesetzt werden.
Für die Untersuchung in Bewegung befindlicher Organe wie Herz und Lungen eignet sich diese Untersuchung nicht, da die Aufzeichnung zu langsam ist und die Bilder somit unscharf werden. Speziell die Lungen sind Organe mit geringer Dichte und deshalb extrem schlecht im MRT darstellbar (NMR ist eine gebräuchliche aber veraltete Bezeichnung).

Unabhängig von der Untauglichkeit des MRT in der Lungenuntersuchung und Darstellung ist zu bedenken, dass die Unschädlichkeit der hohen magnetischen Feldstärken für das Gewebe sich nicht aus der Strahlenfreiheit ergibt. Elektromagnetische Felder sind immer wieder verdächtigt worden, Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe hervorzurufen. Diese Bedenken wurden gegenüber der Benutzung von Handys ebenso laut, wie für das Wohnen unter Hochspannungsleitungen.
Es muss zumindest die Frage erlaubt sein, ob wir wirklich über die Langzeitauswirkung von magnetischen Wechselfeldern auf verschiedene Körperorgane genug wissen, um die MRT in solch großem Umfang anzuwenden wie dies z. Zt. unter der Versicherung völliger Unschädlichkeit geschieht.

Für die seit 100 Jahren angewandte konventionelle Röntgentechnik können wir die Unschädlichkeit – auch bei wiederholter Anwendung - mit großer Sicherheit annehmen.
Und umgekehrt ist es weiterhin, insbesondere für Raucher, sehr häufig segensreich, sich regelmäßig röntgen zu lassen. Denn der Lungenkrebs ist nach wie vor, zunehmend leider auch bei Frauen, der Killer Nr.1.
Wie beim Darmkrebs, für den es ja mittlerweile eine richtiggehende Prophylaxeindustrie gibt, gilt: Je früher erkannt, desto größer die Chance zu überleben!